Energieerzeugung ohne Leckage in den Schweizer Bergen: Fachbeitrag in der Ausgabe 2/2022 des deutschen Fachmagazins 'KE NEXT'
Schwerpunkt gen. Die Schadensanalysen haben ergeben, dass in eini- gen Schneidring-Rohrverbindungen Risse entstanden waren.“ Ursache dafür waren die permanenten Vibratio- nen, denen die hydraulischen Leitungen im Kraftwerk ausgesetzt sind. Leckagefrei unter extremen Bedingungen Generell sind24°-Rohrverschraubungenmit Schneidring hochbelastbar und gelten als universeller Standard, um metrische Rohrleitungen mit Außendurchmessern zwi- schen 4 und 42mm in der Hydraulik zuverlässig und leckagefrei anzuschließen oder zu verbinden. „Für den Einsatz unter den extremen Bedingungen im Pumpspei- cherwerk Limmern wäre allerdings von Anfang an ein anderes Verbindungskonzept, das der Rohrumformung, ratsam gewesen“, resümiert Uwe Bröllos. Er empfiehlt Stauff Form, das von dem deutschen Hersteller und Ent- wickler sämtlicher Komponenten hydraulischer Lei- tungssysteme speziell für Hochdruckanwendungen und starke Vibrationsbelastungen entwickelt wurde. Das Prinzip: Mit der Stauff-Form-Maschine wird das Rohr- ende so umgeformt, dass beim Verschrauben mit einem herkömmlichen Verschraubungskörper und einer Über- wurfmutter eine sogenannte formschlüssige Verbindung entsteht. Der einzige denkbare Leckageweg wird mit ei- ner Viton-Dichtung zusätzlich abgesichert. Während al- so bei Stauff Form das Rohrmaterial lediglich umge- formt wird, entsteht eine Schneidringverbindung da- durch, dass ein metallener Ring mit zwei Kanten beim Anzug einer Überwurfmutter in die Rohroberfläche – wie der Name schon sagt – einschneidet. Durch diesen Materialeinschnitt wird die Vibrationsresistenz be- grenzt. Demgegenüber hat das Umformsystem eine hö- here Ausreißfestigkeit, die unter extremen Bedingungen – starken Druckschlägen und vibrierenden Belastungen wie im Pumpspeicherwerk Limmern – einen Sicher- heitsvorteil darstellt. Für Maschinen- und Anlagenbauer in besonders sicherheitskritischen Bereichen, beispiels- weise im Schiffbau, in Offshore-Anlagen oder in Kran- und Hebezeugen, ist dies ein entscheidendes Argument. Betriebssicherheit und Umweltschutz Auch Oswald Hauser, Leiter des Ressorts Mechanik beim Unternehmen Kraftwerke Linth-Limmern, hat sich zusammen mit seinem Instandhaltungsteam 2020 für Stauff Form entschieden. Seitdem werden die Schneidring-Verschraubungen aus Edelstahl im hydrau- lischen Leitungssystem sukzessive durch Umformver- bindungen ersetzt. „Für uns geht es um Betriebssicher- heit, Leckagesicherheit und die Vermeidung von Um- weltschäden. In den Edelstahlleitungen werden bis zu 18 000 Liter Öl geführt, die nicht ins Werk und die Natur gelangen dürfen.“ Durch den Einsatz hochbelastbarer Rohrverbindungen wird außerdem der Aufwand für Das Wasser wird bedarfsgerecht abgelassen und kann vier Turbinen mit einer Leistung von insgesamt 1000MW antreiben. Bild: Axpo Power Das Verbindungs- system Stauff Evo basiert vollständig auf Standard- Bauteilen. Bild: Stauff 1 Maschinenkaverne 2 Teensformatorenkaverne 3 Schieberkammer 4 Zugangsstollen 1 mit Standseilbahn Tierfehd-Kavernenzentrale (Los A1) 5 Zugangsstollen (Bestand) Chalchtrittli-Lirnmernstaumauer 6 Zugangsstollen 2 7 Fensterstollen 8 Sondierstollen 9 Oberwasserdruckstollen 10 Wasserschloss 11 Druckschächte 12 Unterwasserdruckstollen 13 Ein- und Auslaufbauwerk 14 Hochwasserentlastung und Grundablass 15 Bauseilbahn 2 Ochsenstäfeli-Muttsee ke NEXT · 02 2022 33
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